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Überbuchte Flüge, kaum in Deutschland

01-06-2017

Überbuchte Flüge, kaum in Deutschland

Verglichen mit den USA geht es in Deutschland deutlich zivilisierter zu. Während die US-Airline United kürzlich Schlagzeilen machte, als sie einen Passagier trotz gültigen Tickets gewaltsam aus dem überbuchten Flieger entfernen ließ, kam Rolf Schäfer (Name geändert) auf seinem Rückflug von Teneriffa nach Berlin ohne gebrochene Nase und ausgeschlagene Zähne davon.

Der Fall der US-Fluggesellschaft war sicherlich auf einen Fehler bei den Zugangskontrollen des Fluges zurückzuführen, und normalerweise bringt man es nicht zu weit. „In Deutschland passiert so etwas nicht wahrscheinlich“,  bestätigte Holger Hopperdietzel, Experte für Reisenrecht und Mitglied der deutschen Anwaltsvereinigung DAV.

Nachdem Ereignis erhöht Delta Air Lines die Zahlung bei Überbuchung auf 10.000 US-Dollar. Womit Fluggäste in Deutschland rechnen können.

Haben mehr Fluggäste online eingecheckt und erscheinen mehr Personen am Schalter als Sitzplätze im Flieger vorhanden sind, werden Freiwillige gesucht, die bereit sind, mit einer späteren Verbindung ihr Ziel zu erreichen.

"Geld zieht immer", sagt der Reiserechtler Ronald Schmid vom Portal Fairplane.de im Gespräch mit dem stern.

Denn im Fall der Überbuchung erhält der flexible Fluggast einen Geldbetrag oder einen Gutschein der Airline, wenn er sich bereit erklärt, auf seinen gebuchten Flug zu verzichten. Das wird weltweit so gehandhabt und geschieht in der Regel beim Check-in oder noch vor dem Boarding am Gate.

In den Vereinigten Staaten betragen die Prämien in der Regel 800 US-Dollar. Doch nach dem Vorfall von United Airlines am 9. April in Chicago, als sich kein Freiwilliger fand und Gewalt angewendet wurde, um den 69-jährigen Fluggast David Dao aus dem Flugzeug zu befördern, ist eine Diskussion um die Höhe der Kompensationszahlungen entbrannt. Werbewirksam hat Delta Air Lines eine Charme-Offensive gestartet und sein Personal angewiesen, die Overbooking-Fee auf bis zu 10.000 US-Dollar zu erhöhen.

So zahlte Delta in den Jahren 2015 und 2016 im Durchschnitt 1118 US-Dollar, United nur 565 US-Dollar, American Airlines 554 US-Dollar und der Billigflieger Southwest 758 US-Dollar an die betroffenen Passagiere aus.

In Deutschland sieht die Lage entspannter aus. "Das in Amerika war ein Grenzfall und ist nicht die Regel", sagt Rechtsanwalt Schmid. "Wir hatten noch nie einen Fall, in dem Leute mit 600 Euro nicht zufrieden waren." Damit spielt er auf den Höchstbetrag an, den Airlines ihren Kunden laut der EU-Verordnung 261/2004 bei Flugunregelmäßigkeiten zahlen müssen.

In der Fluggastrechte-Verordnung wird nicht der Fall des Überbuchens direkt geregelt, sondern nur bei Nichtbeförderung, Annullierung und Verspätung von Flügen.

Die fälligen Ausgleichszahlungen sind abhängig von der Flugstrecke und Dauer der Verspätung: 250 Euro für eine Flugstrecke bis zu 1500 Kilometern (ab 2 Stunden), 400 Euro für eine Flugstrecke innerhalb der EU von mehr als 1500 Kilometern und bei allen anderen Flugstrecken von einer Entfernung zwischen 1500 und 3500 Kilometern.

600 Euro für eine Flugstrecke größer als 3500 Kilometern (ab 4 Stunden). Hinzu kommen Übernahme von Hotel- und Kommunikationskosten.

Die Deutsche Lufthansa nennt auf Anfrage keine konkreten Beträge, sondern bietet "Umbuchung auf einen Alternativflug" und "Betreuungsleistungen, wie Mahlzeiten, Erfrischungen, Hotelübernachtung inklusive eventuell anfallender Transferkosten" und "eine monetäre Entschädigung", deren Höhe von der "Dauer der Flugverzögerung und der Länge der Flugstrecke" abhängt und sich "an den EU-Richtlinien orientieren."

Doch die Anzahl der Personen, die sich wegen ungelösten Überbuchungsproblemen im Nachhinein an einen Rechtsdienstleister wie Fairplane.de wenden, sind gering und machen laut Schmid nur 10 bis 15 Prozent der Rechtsfälle aus. Seiner Meinung nach dürften sich in Europa im Gegensatz zur USA die Geldbeträge kaum erhöhen. Natürlich steht es jedem Passagier frei, am Gate zu pokern. Auch kann es einen Gutschein der Airline geben, der den Barbetrag übersteigt.

Das Portal Flightright.de hat auch Passagiere betreut, die später ihr Ziel erreichten, und am Ende des Verfahrens mehr als nur die EU-Pauschalen erhalten haben.

Musste ein Kunde seinen Ersatzflug selbst organisieren "hat er zusätzlich zu der Entschädigung auch Anspruch auf die Erstattung seines ursprünglichen Ticketpreises", sagt Stefanie Müller von Flightright.de. Bei derartigen Fällen haben wir mehr als die pauschale Entschädigung durchgesetzt.

Beide Portale können feststellen, dass Überbuchungen häufiger auf kurzen Flügen vorkommen. "Unserer Beobachtung nach überbuchen Low-Cost-Airlines deutlich häufiger", sagt Müller.

"Auffällig ist auch, dass bei den renommierten Airlines in den meisten Fällen eine Ersatzbeförderung gestellt wird, während bei den Billigfluglinien nur der Flugpreis erstattet wird."

Aber wenn es erforderlich ist,  und wenn ein Reisender der Meinung ist, dass seine Rechte verletzt wurden, empfehlen die Vereine, mit einem spezialisierten Anwalt Kontakt aufnehmen.

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