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Lufthansa, der Air Berlin-Deal und die Folgen

12-10-2017

Lufthansa, der Air Berlin-Deal und die Folgen

81 der insgesamt 130 Flugzeuge hat sich die Kranichlinie jetzt gesichert, von denen sie 38 ohnehin schon seit dem 10. Februar von Air Berlin gemietet hat - inklusive der Crews. 3000 zusätzliche Stellen würden so  bei Eurowings geschaffen, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon vor der Besiegelung des Deals der "Rheinischen Post" gesagt. Flugbegleiter und Piloten also können sich bewerben, sie müssen jedoch mit Gehaltseinbußen rechnen.

So soll die Flotte von der Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings wachsen. Denn Eurowings sei ein "Zwerg" im Vergleich zu den Konkurrenten Ryanair oder Easyjet, die 400 bzw. 300 Flugzeuge besäßen, meint Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Die Eurowings-Flotte wächst mit dem Air Berlin-Deal auf nun etwa 100 an. Lufthansa-Chef Spohr hatte sich auf diesen Fall schon seit Jahresbeginn vorbereitet. Mit der Stärkung der Eurowings versucht er, den Billigairlines langfristig nicht allein das Geschäft mit den Kurz- und Mittelstreckenflügen zu überlassen. Das stößt nicht bei allen auf Zuspruch.

Michael Gierse, Luftfahrtexperte der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment, hält diese Strategie für falsch, Eurowings werde es nicht schaffen, gegen Eaysjet und Ryanair anzutreten: "Das sind Fluggesellschaften, die simpel und einfach aufgestellt sind", sagt Gierse, während Eurowings ein Sammelsurium von verschiedenen Fluggesellschaften mit verschiedenen Flugzeugtypen und hoher Komplexität sei, die mit den Preisen oder mit Kosten der beiden Wettbewerber nicht standhalten könne: "Ich sehe das nicht. das wird Jahre dauern, und sie werden sich verzetteln", prophezeit er.

Konsolidierung der Luftfahrtbranche aktiv gestalten

Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sieht den Deal zwar auch als Herausforderung für die Lufthansa-Gruppe. Doch er hält es für richtig, auf ein Verbindungsmodell von Kurzstrecken und Langstrecken zu setzen. "Man wäre langfristig nur noch ein Langstreckenflieger, weil die innereuropäischen Flüge dann immer mehr von den Billigfluggesellschaften übernommen werden." In der Kombination aus Europaverkehr bei Eurowings, Ferienflug von Niki und den Zubringerdiensten von Eurowings für die Langstreckenflüge sei das für die Lufthansa eine gute Chance, meint Schellenberg. "Das hat aber bisher so noch kein Konkurrent hinbekommen", warnt er zugleich und verweist auf British Airways, die ihre Tochter "Go” wieder verkauft habe. Lufthansa-Chef Spohr aber hat in den letzten Wochen auch immer wieder deutlich gemacht, dass er in der Konsolidierung der Luftfahrtbranche eine aktive Rolle spielen will.

Unmittelbar nach der Übernahme großer Teile der Air Berlin hat die Lufthansa die nächste marode Fluggesellschaft im Blick. "Wir haben Interesse an einer neu aufgestellten Alitalia", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Frankfurt. Es gilt damit als äußerst wahrscheinlich, dass der Dax-Konzern an dem bis Montag (16. Oktober) befristeten Bieterverfahren um die einstige italienische Staats-Airline teilnimmt. Dem Vernehmen nach wird Lufthansa lediglich für Teile der unter Sonderverwaltung stehenden Gesellschaft verbindlich bieten und einen organisatorischen Neuanfang verlangen.

Finanziell steht die größte deutsche Airline gut da: Spohr rechnet für das laufende Jahr mit dem dritten Rekordgewinn in Folge, allein eine Milliarde Euro hat der Konzern im ersten Halbjahr schon eingeflogen. Die langjährigen Tarifstreitigkeiten mit den Flugbegleitern und vor allem den Piloten sind beigelegt, die Stückkosten sinken. So kann sich der Konzern jetzt endlich wieder um strategische Fragen kümmern.

Mit Easyjet, der zweiten Bieterin für Air Berlin, stocken die bisher exklusiven Gespräche jedoch. Mit ihr als auch mit anderen Bietern verhandele man weiter, sagte ein Air-Berlin-Sprecher.

Passagiere könnten das Nachsehen haben

Die Passagiere jedoch bangen: Zum einen fliegt Lufthansa in den nächsten Monaten bis zur endgültigen Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden nun als Quaisi-Monopolist auf den innerdeutschen Strecken. "Frau Merkel hat dieses Monopol geschaffen", sagte auch Niki Lauda im Deutschlandfunk. Der frühere Rennfahrer und Gründer der Fluggesellschaft Niki hatte für die einst ihm gehörende Gesellschaft geboten, war aber am Gläubigerausschuss gescheitert, Ein Monopol aber könnte zu steigenden Ticketpreisen führen. Das könne kurzfristig so sein, gesteht der Lufthansa-Chef zu, aber mittel- und langfristig sieht er insgesamt ein weiteres Wachstum und stärkeren Wettbewerb im europäischen Markt. Deshalb würden die Preise nicht steigen, sondern eher sinken.

Die Wettbewerbsbehörden würden sich die Lage sicher genau ansehen, auf denen nach dem Ausscheiden von Air Berlin ein Monopol bestehe, vermutet Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Er rechnet mit Auflagen der Kartellwächter für einzelne Strecken: Lufthansa bzw. Eurowings würden dann wahrscheinlich einzelne Start- und Landerechte nicht erhalten, damit auch Wettbewerber dort fliegen könnten. Unklar ist noch, was mit den Flügen der Kunden geschieht, die Langstrecke gebucht haben - hier beendet Air Berlin den Langstreckenbetrieb von diesem Sonntag (15.10.2017) an. Nach dem 28. Oktober soll der Flugbetrieb endgültig eingestellt werden. Lufthansa denkt offenbar über Lösungen nach: So sollen gestrandete Kunden aus dem Ausland zurückgeholt werden - im Gespräch sind 50 Euro für einen innereuropäischen bzw. 150 Euro für einen außereuropäischen Flug. Details aber sind noch nicht bekannt.

Quelle: www.dw.com

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